Dieter drückte die Maustaste sehr fest, so als wäre sie anschlagdynamisch. Ha, was für ein tolles Wort, dachte er, das kennen wirklich nur Musiker-Nerds. Es war sein erster Song, der komplett ohne ein analoges Instrument oder aufgenommene Stimme auskam, er hatte nicht mal das kleine Plastik-Midikyboard benutzt, sondern alles einzeln mit der Maus eingeklickt.

Dieter war noch etwas skeptisch, ob man das, was hier herauskam auch wirklich als Musik bezeichnen konnte. Handgemacht war sie in jedem Fall, wie er an seinem leicht schmerzenden Handgelenk feststellen konnte.

Er hatte bei diesem Track große Vorbilder gehabt: Musik die einen Umfing wie ein sanftes Tuch, die Entspannung in einen gehetzten Alltag brachte. Pat Metheny konnte das für Dieters Geschmack mit seinem sehr ruhigen Gitarrenstück Travels wunderbar erreichen und Ada mit ihrem Elektrotrack Faith ebenfalls. Jeder, dachte Dieter, kennt dieses Gefühl, dass er beim Hören der Musik endlich durchatmen kann. Das hat immer etwas sphärisches. Schöner Begriff, dachte Dieter abschweifenderweise und versuchte sogleich das mittelalterliche Sphärenmodell der Welt gedanklich wieder loszuwerden. Das Wort hatte sich jedoch bei ihm festgesetzt und so blöd war es eigentlich gar nicht, wenn er es öfter und öfter auf der Zunge zerkaute. Sphäre, die Einzahl klang irgendwie verlockend. Da sag mal jemand, dass es schwierig sei für einen Instrumental-Track einen Titel zu finden. Dieter fügte in Gedanken noch „01“ hinzu – fertig, mehr würde es nicht brauchen.

Ein Kommentar zu „Dieters Sphäre 01“

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